Insolvenz (-Reife) 3

VORWORT

Jede Insolvenz ist für Betroffene und Beteiligte erstmal ein schwieriges Unterfangen und mitunter schmerzhaftes Erlebnis. Für zwei Praxisbeispiele von Sanierungen im Rahmen von Insolvenzverfahren greifen wir auf unser Netzwerk zurück. Wie die Erreichung von gesteckten Zielen unter Berücksichtigung möglicher rechtlicher Fallstricke gelingen kann, wird anhand eines zweiten Beispiels unseres Kooperationspartners der Reinhardt & Kollegen Rechtsanwälte GmbH erläutert.

 

AUSGANGSSITUATION

Eine Autoteilehändlerin (im Weiteren. GmbH) mit stationärem Geschäft und (ausuferndem) Onlinehandel im Bereich B2B und B2C gerät aufgrund der unvorhersehbaren Kündigung der Warenkreditlinie des Hauptlieferanten und dessen Rückforderung in unverhältnismäßig kurzer Zeit in finanzielle Schieflage (Hintergrund: Die Warenkreditlinie war nicht schriftlich fixiert und wurde quasi auf „Zuruf“ ständig erhöht). Gleichzeitig erhöhten sich die Verluste im Bereich des Onlinehandels aufgrund des Betriebs verschiedener Plattformen, des grenzüberschreitenden Geschäfts sowie erhöhter Transort- und Versandkosten. Hinzu trat die Erkrankung (mit mehrwöchiger Arbeitsunfähigkeit) eines der beiden Geschäftsführer sowie derer beiden Widerwillen gegen die Aufrechterhaltung des Geschäftsbetriebs.

 

HERAUSFORDERUNGEN

Reibungslose und ungestörte Betriebsfortführung der GmbH bei Einstellung des Onlinehandels und gleichzeitigem Austausch des Hauptlieferantens, um die GmbH bzw. das Geschäftsmodell für eine mögliche Übernahme weiterhin interessant und attraktiv zu halten. Gleichzeitig galt es, die Geschäftsführer/Gesellschafter von einer Fortführung zu überzeigen.

 

BERATUNGSANSÄTZE

Sicherung der Aufrechterhaltung der Arbeitsfähigkeit der GmbH durch schnelle Beantragung von Insolvenzausfallgeld für die Arbeitnehmer, die somit weiterhin ihr Gehalt bekommen und so besser zum „Bleiben“ zu motivieren sind. Finanzierungshilfe für das Verfahren durch das Insolvenzausfallgeld. Kontakt zu den Lieferanten, insbesondere zu neuen Lieferanten, um schnell Vertrauen aufzubauen und möglichst kurzfristig von der Vorkasse auf Lieferungen mit Zahlungsziel umzustellen. In diesem Zuge war es möglich, dass einer der beiden Geschäftsführer eine neue GmbH gründete, die den Geschäftsbetrieb übernommen hat (der weitere Geschäftsführer wurde nach seiner Genesung als leitender Mitarbeiter ebenfalls in der neuen GmbH angestellt). Im Zuge der vorläufigen Insolvenzverwaltung wie auch zu Beginn des eröffneten Verfahrens wurde die Schuldnerin fortgeführt, bis die neue GmbH die Geschäfte vollumfänglich übernehmen konnte.

 

ERGEBNISSE

Das Unternehmen konnte im Wege eines Assetdeals übertragen werden. Der neue Gesellschafter hat ein hochmotiviertes, eingespieltes und kompetentes Team. Die verlustreichen diversen Onlineplattformen verblieben in der Alt-Gesellschaft und wurden dort eingestellt. Der stationäre Handel wurde im Bereich der Lieferanten diversifiziert und der der stationäre Handel konnte entsprechend neu konzeptioniert durchstarten.

Krisenstadien 14. Beitrag (Download PDF-Datei)

Insolvenz (-Reife) 2

VORWORT

Jede Insolvenz ist für Betroffene und Beteiligte erstmal ein schwieriges Unterfangen und mitunter schmerzhaftes Erlebnis. Für zwei Praxisbeispiele von Sanierungen im Rahmen von Insolvenzverfahren greifen wir auf unser Netzwerk zurück. Wie die Erreichung von gesteckten Zielen unter Berücksichtigung möglicher rechtlicher Fallstricke gelingen kann, wird anhand eines ersten Beispiels unseres Kooperationspartners der Eisner Rechtsanwälte GmbH erläutert.

 

AUSGANGSSITUATION

Ein Unternehmen aus dem Speditionsbereich befindet sich in Liquiditätsschwierigkeiten. Grund dafür sind im Wesentlichen Verbindlichkeiten aus vergangenen, nicht wirtschaftlichen Investitionen und Entscheidungen, die in Raten bezahlt werden. Der Pachtvertrag über die Betriebsimmobilie ist langfristig und teuer. Personalmaßnahmen sind zwingend notwendig; die lange Betriebszugehörigkeit macht diese aber wirtschaftlich kaum durchführbar. Die Gesellschafter sind uneins über die weitere Entwicklung. Der Mehrheitsgesellschafter, zugleich auch Geschäftsführer, haftet auch gegenüber Banken und möchte seine Haftungspositionen geregelt haben. Der Minderheitsgesellschafter will keine Insolvenz, weil er die Abwertung seiner Beteiligung fürchtet. Er strebt deshalb einen Verkauf an. Käuferinteresse ist grundsätzlich vorhanden. Die genannten Risiken schrecken sie aber aufgrund ihrer Unberechenbarkeit ab. Die Liquiditätssituation wird jeden Tag schlechter.

 

HERAUSFORDERUNGEN

Die ungestörte Fortführung des Unternehmens ist sicherzustellen. Das Unternehmen ist verkäuflich zu machen, indem die genannten Risiken gelöst werden. Der Verkaufsprozess sollte möglichst ohne Zeitdruck anlaufen, um den bestmöglichen Preis zu erzielen. Die Inanspruchnahme des Mehrheitsgesellschafters durch die Banken sollte minimiert werden, indem die Gläubigerquote maximiert wird. Strafrechtliche und zivilrechtliche Haftung des Mehrheitsgesellschafters ist zu vermeiden.

 

BERATUNGSANSÄTZE

Der rechtzeitige Antrag auf Eröffnung des Insolvenzverfahrens in Eigenverwaltung ist wichtig. Eine Stabilisierung der Liquidität kann beispielsweise durch Vorfinanzierung des Insolvenzgelds für 3 Monate erreicht werden. Zusätzlich sollte eine temporäre Befreiung des Unternehmens von den Altverbindlichkeiten infolge des gesetzlichen Zahlungsstopps erfolgen. Eine Stabilisierung des Geschäftsbetriebs ist als Voraussetzung für die Umsetzung der Personalanpassungsmaßnahme und den Beginn des Investorenprozesses anzusehen. Proaktive Kommunikation mit Lieferanten und Kunden sind als wesentliche Voraussetzung für das Gelingen zentral.

 

ERGEBNISSE

Die „Subventionierung“ der Lohnkosten für 3 Monate sowie der „Neustart“ im Insolvenzverfahren mit lediglich neuen Verbindlichkeiten hat das Unternehmen liquiditätsmäßig in sicheres Fahrwasser gebracht. Durch einzelne Gespräche mit den Mitarbeitern, die Installation einer Beschäftigungs- und Qualifizierungsgesellschaft sowie des durch das Insolvenzverfahren erzeugten Handlungsdrucks konnte die Personalmaßnahme rechtssicher durchgeführt werden. Der langjährige, unwirtschaftliche Mietvertrag wurde mit insolvenzrechtlicher Frist von 4 Monaten beendet. Das Unternehmen konnte frei von Altlasten zu einem angemessenen Preis veräußert werden. Die Bankverbindlichkeiten wurden vollständig befriedigt. Mit dem Sachwalter konnte für den Mehrheitsgesellschafter ein wirtschaftlich tragbarer Vergleich abgeschlossen werden. Eine straf- und/oder zivilrechtliche Haftung des Gesellschafters wurde im Übrigen vermieden.

Krisenstadien 13. Beitrag (Download PDF-Datei)